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Pausenideen für neurodivergente Schülerinnen und Schüler im Schulalltag
Die zweite Stunde endet. Einige Schülerinnen und Schüler stürmen auf den Hof, andere bleiben an ihrem Platz sitzen. Du siehst Unruhe, Rückzug oder Streit und fragst dich, was jetzt hilft.
Warum passende Pausen helfen
Neurodivergenz beschreibt Unterschiede beim Wahrnehmen, Denken, Lernen und Verarbeiten der Umwelt. Diese Unterschiede zeigen sich bei jeder Schülerin und jedem Schüler anders.
Eine Pause muss deshalb nicht immer laut, bewegungsreich oder gemeinsam sein. Manche Schülerinnen und Schüler brauchen Bewegung. Andere brauchen weniger Geräusche, klare Abläufe oder einen kurzen Rückzug.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC nennt Bewegung, Unterstützung bei Übergängen und passende Strukturen als wichtige schulische Hilfen bei ADHS.[1]
Die NICE-Leitlinie empfiehlt unter anderem kürzere Arbeitsphasen mit Bewegungsunterbrechungen.[2]
Auch unstrukturierte Pausen können belasten. Die National Autistic Society beschreibt Lärm, Gedränge, unklare Abläufe und soziale Anforderungen als mögliche Hürden.[3]
Sinnesunterschiede können Geräusche, Licht, Gerüche oder Berührungen zusätzlich erschweren.[4]
Was du konkret tun kannst
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Wähle drei unterschiedliche Pausenwege
Biete Bewegung, Ruhe und eine einfache Tätigkeit an. So muss keine Schülerin und kein Schüler eine bestimmte Pausenform rechtfertigen.
Beispiele sind fünf Minuten Botengang, ein ruhiger Platz oder Sortieren von Karten. Beschrifte die Angebote mit kurzen, sachlichen Namen.
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Mach den Ablauf sichtbar
Zeige vor der Pause drei Schritte: auswählen, pausieren, zurückkommen. Nutze dafür Symbole, Wörter oder eine kleine Tafel.
Ein sichtbarer Anfang und ein sichtbares Ende erleichtern den Übergang. Das hilft besonders, wenn Wechsel oder offene Zeiten anstrengend sind.
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Plane Bewegungen mit wenig Material
Lege einen kurzen Auftrag bereit. Eine Schülerin oder ein Schüler bringt Bücher ins Regal oder wischt die Tafel.
Auch zehn langsame Kniebeugen oder eine Runde durch den Flur können passen. Kläre vorher den erlaubten Weg und die Aufsicht.
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Schaffe eine ruhige Option
Wähle einen Platz mit wenig Durchgang und wenigen Reizen. Ein Tisch am Rand oder die Bibliothek kann genügen.
Vereinbare ein neutrales Signal für den Rückweg. Ein Timer, eine Sanduhr oder eine Karte kann dabei helfen.
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Entlaste Geräusche und Gedränge
Manche Schülerinnen und Schüler profitieren von einem früheren Gang in den Flur. Andere starten lieber später in die Pause.
Prüfe, ob ein ruhiger Zugang, ein anderer Sitzplatz oder ein leiser Bereich möglich ist. Frage die Schülerin oder den Schüler nach der bevorzugten Möglichkeit.
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Sprich über Wirkung statt über Verhalten
Frage: „Was macht die Pause leichter?“
Beobachte anschließend nur die Situation. Notiere keine Vermutung über eine Diagnose.
Du kannst gemeinsam prüfen, ob die Pause den Wiedereinstieg erleichtert. Eine Lösung darf sich verändern.
Stolpersteine
- Pausen werden zur Belohnung: Plane sie als zugängliche Unterstützung für die ganze Klasse.
- Eine Lösung gilt für alle: Biete Auswahl statt eines festen Pflichtprogramms.
- Rückzug wird zum Ausschluss: Halte den ruhigen Platz sichtbar und selbstverständlich.
- Bewegung wird zum Strafauftrag: Formuliere den Auftrag neutral und kurz.
- Das Ende bleibt unklar: Nutze ein vereinbartes Signal und einen festen Rückweg.
- Du versprichst eine Wirkung: Prüfe nur, ob die Idee in deiner Klasse hilfreich ist.
Material: Vorschlag „Meine Pausenkarte“
Die Karte ist ein kleines Blatt im Format A6. Sie eignet sich für die Primarstufe und dauert ungefähr zwei Minuten.
Oben steht der Titel „Meine Pausenkarte“. Darunter stehen die Felder „Heute brauche ich“, „Dauer“ und „So komme ich zurück“.
Unter „Heute brauche ich“ stehen drei auswählbare Felder:
- „Ich bewege mich kurz.“
- „Ich brauche einen ruhigen Platz.“
- „Ich mache eine einfache Tätigkeit.“
Unter „Dauer“ stehen die Auswahlmöglichkeiten „3 Minuten“, „5 Minuten“ und „10 Minuten“.
Unter „So komme ich zurück“ stehen drei Rückkehrmöglichkeiten: Karte zurückstellen, zum Platz gehen oder das Rückkehrsignal zeigen.
Am unteren Rand steht: „Das ist ein Vorschlag. Du darfst eine andere Pausenidee wählen.“ Daneben bleibt ein kleines Feld für das vereinbarte Rückkehrsignal frei.
Auf der Rückseite steht für die Lehrkraft: „Frage nach der Pause: Was hat geholfen? Was möchtest du nächstes Mal ändern?“ Die Karte enthält keine Namen, Diagnosen oder persönlichen Gesundheitsangaben.
Passende Themenseiten
Vertiefe passende Hintergründe auf den Themenseiten zu ADHS, Autismus und sensorischer Überempfindlichkeit.
Auch die Seiten zu selektivem Mutismus und auditiver Verarbeitung können für Pausenplanung relevant sein.
Nutze die Themenseiten als Grundlage für deine Klassenregeln. Entscheide gemeinsam mit deiner Klasse, welche Angebote im Alltag erreichbar sind.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: School Changes, Helping Children with ADHD, abgerufen am 14.10.2026.
- NICE: Attention deficit hyperactivity disorder, Recommendations, abgerufen am 14.10.2026.
- National Autistic Society: Difficulties at lunch or break times, guide for teachers, abgerufen am 14.10.2026.
- National Autistic Society: Reasonable adjustments for autistic pupils’ sensory differences, veröffentlicht 09.09.2019, geprüft 06.06.2025, abgerufen am 14.10.2026.
