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Konzentration neu gedacht: Bewegung, Geräusche, Nebentätigkeit
Während der Stillarbeit wippt eine Schülerin oder ein Schüler mit dem Fuß. Jemand anderes kritzelt beim Zuhören. In der letzten Reihe läuft leise Hintergrundmusik.
Konzentration sieht nicht immer still aus
Neurodivergenz beschreibt Unterschiede beim Wahrnehmen, Denken, Lernen und Verarbeiten der Umwelt. Diese Unterschiede zeigen sich bei jeder Schülerin und jedem Schüler anders.
Bewegung kann manchen Schülerinnen und Schülern helfen, ihre Aufmerksamkeit bei einer anspruchsvollen Aufgabe zu halten. Eine Studie fand bei Schülerinnen und Schülern mit ADHS bessere Leistungen bei intensiverer Bewegung.[1]
Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler. Auch eine kleine Studie mit drei Schülerinnen und Schülern zeigte mehr sichtbares Arbeitsverhalten bei einem Fidgetspinner. Die Forschenden betonen die begrenzte Aussagekraft.[2]
Geräusche wirken ebenfalls unterschiedlich. Manche Schülerinnen und Schüler brauchen ein gleichmäßiges Geräusch.
Andere verlieren durch Hintergrundgeräusche den Zugang zur Aufgabe.[3] Bei autistischen Schülerinnen und Schülern können Geräusche, Licht und Berührungen die Konzentration erschweren.[3]
Eine Nebentätigkeit ist eine kleine, gleichzeitig ausgeführte Handlung. Beispiele sind Kritzeln, leises Kneten oder eine unauffällige Handbewegung. Sie kann Aufmerksamkeit unterstützen, darf aber nicht automatisch als hilfreich gelten.
Was du konkret tun kannst
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Erlaube leise Bewegung
Vereinbare für Arbeitsphasen einige unauffällige Möglichkeiten. Dazu gehören Fußwippen, ein Gummiband am Stuhl oder ein Stehplatz.
Die Bewegung bleibt erlaubt, solange sie niemanden gefährdet oder vom Lernziel ablenkt. Prüfe gemeinsam, ob sie die Bearbeitung unterstützt.
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Plane kurze Bewegungswechsel
Unterbrich längere Phasen mit einer klaren Bewegung. Die Klasse kann Bücher holen, sich strecken oder eine kurze Runde gehen.
Kündige den Anfang und das Ende an. Ein sichtbarer Timer oder ein kurzer Satz schafft Orientierung.
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Trenne Geräusch und Aufgabe
Biete bei Einzelarbeit eine ruhige Option an. Dazu passen Ohrschützer, Kopfhörer ohne Sprache oder ein Platz mit weniger Nebengeräuschen.
Musik ist kein allgemeines Konzentrationsmittel. Wenn du sie erlaubst, kläre Lautstärke, Dauer und Inhalt vorher.
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Nutze Nebentätigkeiten mit klarer Grenze
Erlaube Kritzeln am Rand des Blattes oder leises Kneten beim Zuhören. Lege fest, wann die Hände frei sein müssen.
Bei einem Experiment kann die Nebentätigkeit die Sicht auf Material versperren. Dann bietest du eine andere Möglichkeit an.
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Mach die Auswahl sichtbar
Schreibe drei Optionen an die Tafel: „Ich sitze“, „Ich stehe“ und „Ich bewege meine Füße“.
Ergänze eine Geräuschoption und eine Ruheoption. Die Schülerin oder der Schüler wählt, ohne die Entscheidung vor der Klasse zu erklären.
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Prüfe die Wirkung am Lernziel
Beobachte nicht nur die Körperhaltung. Prüfe, ob der Auftrag verstanden, bearbeitet und beendet wird.
Frage nach der Arbeitsphase: „Was hat dir geholfen, dranzubleiben?“ Ändere eine Bedingung und prüfe erneut.
Stolpersteine
- Stille gilt als Beweis: Ein ruhiger Körper zeigt nicht automatisch Aufmerksamkeit.
- Ein Werkzeug passt für alle: Bewegung oder Geräusche können auch stören.
- Fidget wird zum Spielzeug: Wähle ein Werkzeug ohne Licht, Geräusch oder auffällige Bewegung.
- Musik überdeckt Sprache: Nutze sie nicht während wichtiger Erklärungen.
- Geräuschschutz wird zum Ausschluss: Vereinbare, wann die Schülerin oder der Schüler zuhören oder reagieren muss.
- Die Lösung wird zur Pflicht: Ein Vorschlag bleibt freiwillig und darf wechseln.
- Beobachtungen werden zur Diagnose: Beschreibe Situation, Aufgabe und Wirkung ohne Etikett.
Material: Vorschlag „Meine Konzentrationshilfe“
Die Karte ist ein Vorschlag für die Primarstufe und Sekundarstufe I. Die Bearbeitung dauert etwa zwei Minuten.
Oben steht der Titel „Meine Konzentrationshilfe“. Darunter stehen die Felder „Datum“, „Fach“ und „Aufgabe“.
Im Hauptfeld steht: „Was darf mir heute beim Arbeiten helfen?“ Darunter stehen sechs Auswahlfelder:
- „Ich wippe leise mit den Füßen.“
- „Ich nutze das Gummiband am Stuhl.“
- „Ich arbeite im Stehen.“
- „Ich nutze Ohrschützer oder Kopfhörer.“
- „Ich kritzele oder knete leise.“
- „Ich arbeite ohne zusätzliche Hilfe.“
Danach folgen zwei Felder: „Daran erkenne ich meinen Lernfortschritt“ und „So merke ich, dass ich wechseln muss“.
Am unteren Rand steht: „Vorschlag für eine Arbeitsphase. Wähle eine Hilfe. Prüfe danach, ob sie gepasst hat.“
Auf der Rückseite stehen drei kurze Fragen.
Sie lauten: „Was hat geholfen?“, „Was hat gestört?“ und „Was probiere ich beim nächsten Mal?“
Die Karte enthält keine Namen, Diagnosen oder Gesundheitsangaben. Du kannst sie für die ganze Klasse ausgeben.
Passende Themenseiten im Lernportal
Vertiefe passende Hintergründe auf den Themenseiten zu ADHS, Autismus und sensorischer Überempfindlichkeit.
Bei Fragen zu Geräuschverarbeitung passt die Seite zu auditiver Verarbeitungsstörung. Nutze die Seiten nur in Klassen, die bereits Zugang haben.
Quellen
- Hartanto, Lewis und Schweitzer: Don’t Stop the Movement!, CHADD, Zugriff am 14.10.2026.
- Ledford u. a.: Using Fidget Spinners to Improve On-Task Classroom Behavior for Students With ADHD, 2022, Zugriff am 14.10.2026.
- National Autistic Society: Reasonable adjustments for autistic pupils’ sensory differences, geprüft am 06.06.2025, Zugriff am 14.10.2026.
